Ausflug zum Galgenberg
Plattform in Blattform

es ist später nachmittag, die sonne scheint, der himmel hat kaum wolken, nachdem wir etwa 3km über bergige radwege zurückgelegt haben, schließen wir die fahrräder am fuße des galgenbergs an und gehen das letzte stück.
Ein schmaler, mit rindenmulch ausgelegter weg schlängelt sich durch weinberge. An den reben sind erst klitzekleine trauben, es ist noch zu früh zum naschen.
Jetzt wird der weg steiler, es gibt jetzt kleine betonstufen. Puh, ist das
anstrengend. Lara kann nicht mehr. In ihrem rucksack ist das bier. Hoffentlich wird es nicht warm.
Wir sind fast angekommen, die ersten hinweistafel mit allerlei interessantem über vögel bleiben ungelesen, die niegelnagelneue aussichtsplattform ist schon in sicht.
Der ausblick ist unten schon ganz gut, man sieht den see, bohlingen und radolfzell. Wir steigen die stufen hoch, die eitlen sponsoren sind in die vorderkante eingraviert.
Die eröffnungsparty muss geil gewesen sein. "Sieh mal Inge, wir sind stufe fünf" - tosender beifall für den stifter.
Oben angekommen stellen wir ernüchtert fest, das wir uns nirgendwo hinlungern können, keine bank oder ähnliches. Uns ist warm. Mein bier ist leer, Laras wird immer voller, scheint es.
Neben der blattform ist ein feld. Es wurde von einem landwirtschaftlichen gerät total gleichmäßig in reihen bepflanzt. Die pflanzen sind noch jung, zwischen den reihen liegen irgendwelche teile.
Doch was ist das? Weiter entfernt liegen noch mehr, viel größere gegenstände. Hinter einer böschung dampft es etwas. Wir steigen die treppe runter, und gehen zur böschung, die etwa 200m entfernt ist.
Auf dem weg liegt ein rad, die gegenstände sind flugzeugtrümmer.
Hinter den büschen geht es steil einen abhang hinunter, unten liegt ein wrack von einem sportflugzeug. Überall zerborstenes glas und als wir daneben stehen entdecken wir, dass da noch menschen drin sind. Die beiden piloten hängen blutüberströmt und bewegungslos in den gurten, auf der hinteren sitzbank liegt eine alte frau.
Sie stöhnt und als sie uns bemerkt tritt sie schreiend mit dem fuß gegen die noch intakte glasscheibe.
Wir sind im ersten moment vor schreck wie gelähmt und versuchen dann die tür aufzubekommen. Es geht nicht! Ich versuche mit dem flaschenhals von meinem fürstenberg die tür aufzuhebeln. Die frau schreit weiter. Ich versteh sie nicht. "Es ist ein sehr alter dialekt aus ost-rumänien", meint Lara. Zusammen kriegen wir die tür auf, denn Lara ist viel stärker als ich - die alte frau scheint schwer verletzt.
Ihr vom wetter gegerbtes, gesicht mit wirren, funkelnden augen starrt uns an. Sie streckt uns ihre blutverschmierte hand entgegen und drängt uns ein kleines, silbernes amulett auf.
Sie macht dabei eine warnende geste mit dem zeigefinger und führt ihn sich zum mund. Was ist? Sollen wir nichts sagen? Sollen wir niemandem von dem amulett erzählen?
Ihr körper sackt plötzlich in sich zusammen, ihre augen verdrehen sich nach oben und ihr zahnloser mund steht offen. Sie ist gestorben.

Das amulett ist wunderschön und scheint sehrsehr alt zu sein; von ihm geht eine seltsame kraft aus. Lara findet das auch. Sie ruft erstmal den notruf an und erzählt was passiert ist. Ich halte es in meiner hand und schaue es genau an; birgt es ein geheimnis? Hat es das flugzeug zum absturz gebracht? Ich merk miteinmal so ein kribbeln, schau an mir herunter und sehe, dass ich mehr muskeln bekomme, meine hände keine falten mehr haben und ich keine brille mehr brauche.
Das ist mir nicht recht, ich will keine muskeln! Ich leg es besser in den rucksack.
Dabei fällt mir ein, Lara hat ja noch ein grafenwalder lemonbier.
Die ganze situation ist sehr unheimlich, 3 tote menschen und ein kaputtes flugzeug mit benzin drin.
Sie hat fertig telefoniert - Wir verlassen den galgenberg über den panoramapfad, denn hier können wir eh nichts machen. Der rückweg ist viel weniger anstrengen und auch als wir uns wieder auf die fahrräder schwingen, brauchen wir kaum treten. Liegt es daran,
a)
die kraft des amuletts uns übernatürliche kraft verleiht? oder
b)
dass es von bohlingen nach worblingen bergab geht?

Zuhause angekommen, hat sich das wetter verschlechtert. Überall zucken blitze, es donnert so laut, dass man die glocke im kirchturm nicht mehr hört. Die schildkröten haben sich in ihre steinhöhle verzogen und haben den salat übriggelassen - Ist das ein zeichen?
Das wetter bleibt die folgenden tage so. Doch es soll noch schlimmer kommen...

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