Ein Tag im Leben von Ecotron, dem Energiesparroboter
eine zukunftskurzgeschichte
Der wecker klingelt, Ecotron erwacht und geht verschlafen und mit wenig gleichgewichtssinn in die kueche.
Ecotron liebt espresso und braucht warmes wasser um sich morgens zu säubern; deswegen kam ihm die idee seine bialetti mokkakanne mit dem anfangs noch kalten wasser aus der warmwasserleitung zu reinigen, sie dann mit frischgemahlenen, fairgehandelten afrikanischen espressobohnen zu befuellen, um im endeffekt nach dem frühstück schneller warmes wasser im bad zu haben.
Waehrend ecotron mit seinen filigranen roboterhaenden das sieb befuellt, wird der raum in das warmweisse licht einer 3W led-reflektor-lampe getaucht. Sie hat sofort die volle helligkeit und haelt viel langer als eine quecksilber enthaltene energiesparlampe.
Ecotron dreht den gasherd auf, der verbraucht 70% weniger primaerenergie als ein elektroherd. Der kaffee wird in 3min fertig sein, ecotron sucht sich seine kleidung aus leinen und oekologisch angebauter baumwolle zusammen. Er sieht damit blendend aus, wird aber deswegen oft fuer nen homoboter gehalten.
Ecotron hat noch 1std, bis er sich in sein auto schwingt um zur arbeit zu fahren. Er schaltet den strom fuer die motorvorwaermung und das ladegeraet der starterbatterie an. Es ist winter und kaltstarts verursachen ecotron zu viel abgase. Wenn die batterie geladen ist, braucht das das auto während der fahrt nicht mehr zu tun - das spart ecotron kraftstoff.
Nach einem leckeren fruehstueck mit regional erzeugten lebensmitteln, steigt ecotron in sein warmes auto. Er liest noch 2 kollegen auf, mit denen er eine fahrgemeinschaft bildet. Eigentlich waren sie mal vier, aber die roboterkollegin konnte die anzoeglichen witzchen nicht mehr ertragen.

Die arbeit von ecotron ist langweilig: er untersucht mit seinen scanneraugen solarmodule auf schadstellen und stellt zellen mit gleicher leistung zu modulen zusammen. Der job macht ihm trotzdem spass, denn er kriegt mitarbeiterrabatt! Ecotron ist zum nebenerwerb ein energieproduzent; das dach seines hauses liefert genug strom, sodass er sich komplett selber versorgen kann und den ueberschuss verkaufen kann. Irgendwann wird er vom ertrag leben koennen, dass er eigentuemer eines hauses ist, was alles für ihn bezahlt. Ein emanzipiertes haus. So stellt sich ecotron seinen ruhestand vor.

Am ende des arbeitstages beginnt die heizung ecotrons haus von 16grad auf 18grad hochzuheizen, Ecotron hat sich dran gewoehnt und muss nicht frieren. Jedes grad weniger spart ecotron 6% heizkosten.
Ecotron leitet seinen feierabend mit geil spinat ein. Er hat ihn einen tag vorher vom gefrierfach in den kuehlschrank gestellt, damit der gemüseklotz dort langsam auftauen kann. Dann muss der kuehlschrank seltener anspringen.
Ecotrons verdauungssystem absorbiert das mahl mit hochgenuss. Dazu gibt es semmelknoedel. Der roboter absorbiert nur nahrung pflanzlichen ursprungs, denn tierhaltung fuer fleischerzeugung verursacht klimaschaeden und ist ineffizient.

Schliesslich schaltet ecotron sein notebook ein, es verbraucht 1/5 von einem herkoemmlichen desktop-pc. So schaut ecotron auch arte. Mit einem dvbt-stick. GEZ zahlt ecotron natuerlich nicht, er heisst ja nicht bloeditron.

Spaeter fuehrt ecotron sein zahmes schaf "purzel" spazieren, was aus dankbarkeit seinen rasen maeht. Er verleiht purzel auch mal an die nachbarn, so braucht niemand in der strasse mehr rasenmaehen.

Das absorbierte essen wurde beim spazierengehen im bauch des roboters zu kacke verdaut. Der tank ist voll, er geht aufs klo. Das klo spuelt mit regenwasser, das ist gratis und trinkwasser ist zu schade zum spuelen.
Ecotron hat keine gefuehle beim kacken, aber die effizienz seines systems wird durch das geringere gewicht erhoeht.
Das findet er gut, denn ein roboter sollte sich selber optimal warten, nur so kann er sich sicher sein den humanoiden rebellen aus dem untergrund gewachsen zu sein, die staendig angriffe auf das perfekt ausgekluegelte roboternetz verueben. Die verdraengung der humanoiden war notwendig, weil anfang des 21.jahrhunderts das globale gleichgewicht nachhaltig gestoert war.
Auf arbeit wird viel über die humanoiden rebellen geredet. Sie waren mal wie ein gott für die roboter. Aber das liegt weit zurück.
 
Die globalen ressourcen wurden mithilfe von energieverteilungsstationen, die gueter wie trinkwasser, getreide, milch, erdoel, gas, uran, und regenerative energie zuteilten, organisiert, mit dem ziel, kriege um die lebensnotwendigen versorgungsgueter zu schlichten.
Durch politisch motivierte eingriffe wurde ein teil der ressourcen in speicher umgeleitet und deren inhalt der speicher zum destabilisieren der angespannten beziehungen genutzt. So gabs streit, weil einige staaten die fairness der verteilung anzweifelten.
Die manipulierten umverteilungsstationen loesten auf diese weise 2090 einen krieg aus, der einen bevoelkerungsrueckgang von 85% ausloeste. Die alltaeglichen arbeiten wurde zunehmens in die haende von den effizenteren robotern uebergeben und die restbevoelkerung kuemmerte sich mit fortpflanzungsprogrammen ausschliesslich um den erhalt der menschheit. Aber die foeten hatten schon im mutterleib allergien, weil die menschen verlernt hatten, gutes zu essen. Vor lauter niesen und husten hatte die "generation allergie" keine lust mehr auf nachwuchs.
 
Hinzu kam, dass die irrationale natur der menschen eine unterwanderung der effizienzfokussierten programmierung der robotereinheiten darstellte. So gab es erneut einen bevoelkerungsrueckgang. Es blieben ca.100tsd humanoide uebrig, meistens in gruppen von bis zu 200 individuen zusammenlebend. Lebensstandart und medizinische versorgung sind anlass fuer beschwerdemails und unterschriftenaktionen.
Die post-demokratische aera ist eine periode der meditativen beschwerde- und anklagepraxis, in der durch internetabstimmungen und unterschriftenaktionen eine art sinnanarchie der statik und resignation das oberste ziel der menschlichen anstrengungen darstellt. Viele waren gluecklich.

Die roboter hingegen orientierten sich an alten traditionen wie kultur, gutes essen, mobilitaet, machten bildungsreisen und veranstalteten mittaegliche talkshowhappenings, wo 2 zum tode verurteilte roboter menschliche floskeln zitieren, bis die geifernde roboterzuschauermenge ueber sie herfaellt um ihnen kacke in oeffnungen zu leeren, nachdem ihnen die gliedmassen abgerissen wurden. Die fakalien verursachen einen "ultimatecircuitblast" (kurzschluss) und fuehren zum recycling der einheiten. Das galt als die alte schule.


Heute, im jahr 2150 gilt das weltklima als stabilisiert, die nature steht gut da und es entstehen taeglich neuartige tiere, die verzueckung oder terror verbreiten, manche sogar beides. Wie katzopoden, die bis zu 10mal groesser sind als ihre optik vorgaukelt. Ihr gewaltschnurren versetzt ihre feinde in ungeduld. Mit ihren schlangenartigen beinen erreichen sie auch sicher abgestellte leckereien und hausaufgaben. Katzpoden sollten auf die liste der teuersten delikatessen kommen, sagen 73% der stimmen.
Besonders gefuerchtet werden eulords, die bei schlafenden mit gefiederrascheln traeume ausloesen, die zum oeffnen der muender fuehren. Die eulords fuellen dann die muender ihrer opfer mit regenwuermern auf und wecken die betroffenen mit einem markerschuetternden kreischen.
Dann spukt das opfer meistens seine zudecke voll, der eulord beobachtet alles und beim naechsten mal kommt er mit noch ekligeren ideen.


Im prinzip haben sich zwei parallelgesellschaften entwickelt:

Ein riesiges roboternetzwerk, was die fruechte der erde fuer seine unschlagbare effizienz vereinnahmt. Wir reden hier von 97,2% wirkungsgrad, das ist beachtlich.
Die verbreitete annahme, der mensch koennte erhobene statistiken und prognosen durchkreuzen und die energieernte sabotieren, sorgt fuer ein kollektives feindbild, welches fuer solidaritaet und eintracht innerhalb der gruppe weiter geschuert wird.

Und die restmenschheit, die vor sich hin lebt und sich vor den neu-tieren fuerchtet, ahnt nichts von der weltumspannenden roboterpopulation, das menschliche glueck findet man in saeuberlichen kultivierten vorgaerten, aber besonders vor der eigenen nase. Man gibt sich noch mondaen, aber die schatten der herrschaftlichen arroganz verblassen, man klammert sich an alte bild-dateien von frueher.


Ecotron frohlockt beim gedanken an die apokalyptischen geschichte und chillt entspannt auf der couch. Gemetzel sind geil.
In seiner hand laesst er in einem antiken, menschgefertigten rotweinkelch einen exquisiten chardonnay kreisen. So ein betagter tropfen muss atmen. Er zelebriert die oenologie wie eine religioese prozession, die juenger sind seine geschmacksknospen, sie glauben an qualitaet.
Ecotron schläft zufrieden ein, waehrend ihm sein solardach verfuegbares einkommen in die tasche pumpt. Ecotron ist ein gewinner.