Son of a beach

Kevin-Palladio Müller ist ein ganz normaler junge
Er geht jeden nachmittag nach der schule aufn bolzer.
Bevor er nen schuss auf das tor abgibt, nennt er den namen seines lieblingsfußballspielers.
Er zwiebelt immer so dolle drauf, dass dem torwartkind weder die chance bleibt zum ball zu springen, noch wichtige körperteile zu schützen.

Die mutter vom torwartkind hat auch schonmal dem kindlichen fußballspiel beigewohnt, weil ihr sohn eines tages blut im urin hatte.
Sie meinte so "Kevin-Palladio, es ist doch nur ein spiel"
Für Kevin-Palladio ist es ernst.
Er schreit übelst rum, wenn er jemandem einen traumpass gibt, dieser ihn aber nicht nutzt. Über bande spielen geht auch nicht, das ist dann aus.

Diese ernsthaftigkeit findet man bei 8jährigen eher selten.
"Die talentscouts der bundesligavereine haben auch stets ein auge auf bolzplätze in neubausiedlungen", meinte Kevin-Palladios dad Mike Müller mal zu seinem sohn.
Mike mag auch fußball, er hat ein premiere-abo und einen großen fernseher. Seine frau Yvonne ist stolz auf ihren mann, dass er ihnen das ermöglicht! Sie arbeitet gerade einen buisnessplan für eine naildesign- und massagepraxis aus und die A4 seite ist schon fast voll.
"Puhh, dieser zahlenmurks immer."
Die arbeit muss ja, denn das haus, der plasma und der flagrantigelbe dacia auf der einfahrt wollen noch abbezahlt werden.
Es ist eine ganz normale familie.

Alles ist so wie überall.
Eat up, it's good for you.

Esau Mwamaya ist ein ganz normaler junge.
Er geht nachmittags, nach der arbeit, auf den fußballplatz.
Wenn er einen schuss auf das tor abgibt, schreit er den namen des präsidenten. Er zieht so doll ab, dass sich manchmal die fünfecke vom ball ablösen. Diesmal aber nicht: Er trifft unabsichtlich Kalenga (den torwart) ins gesicht. Kalenga verliert dabei unwiederbringlich seine zweiten - wie schnell die kinder erwachsen werden.
Wie alle kinder im dorf freut Esau sich auf die WM, denn der bürgermeister des dorfs wird linienrichter sein.

Esaus vater ist ziegenzüchter. Esaus mutter füttert, melkt und bewacht die ziegen. Mit der ziegenmilch kann man prima wasser weiß färben, hat esaus großvater mal verraten. An den ziegenmilchreis hat großvater sich, bis er fortging, nicht gewöhnen können.
Wenn mutter nach dem essen fragte, obs geschmeckt hat, meinte er stets, es schmecke interessant. Interessant ist nicht lecker.

Der geruch der im haus lebenden tiere überträgt sich auf Esaus kleidung.
Bei der arbeit wird Esau von den anderen kindern "nannygoat-boy" genannt. Was soviel heißt wie ziegenweibchen-junge.
Die kinder unterstellen Esau den ziegen körperliche liebe zuteil werden zu lassen. Oder umgekehrt.

Esaus Vater mag weder fußball, noch dass sein sohn von zeit zu zeit die schule besucht. Er möchte ihn schleunigst als nachfolger des familienbetriebes. Sein weib konnte sich das lachen kaum verkneifen. Ihr mann sei ein mdogun (vollpfosten), meinte sie mal.
Sie verdient mit körbeflechten dazu.
Was ihr mann nicht wissen darf: Sie erwirtschaftet mehr damit als er. Wenn das herauskäme, müsste ihr mann sich nach alter tradition mit dem fußnagelknipser der schande am ufer des blutstroms selbstverstümmeln. Aus schande.

Esau interessiert das alles nicht und trainiert weiter für seinen traum.
Bald hat seine mutter genug geld zusammen, um den u20-nationalmannschaftstrainerassistenten zu bestechen,
damit er Esau zum probetraining einlädt.
Es soll ne überraschung werden.

Die jungs wurden zur gleichen zeit gemacht. Kevin-Palladio in einer *** bettenburg auf malle. Mit strandblick.
Esau im schutze einer schilfgrasdüne mit blick auf den atlantik.
Esau bedeutet wind, Kevin-Palladio nichts.
Woar.