Vampire an der Wakenitz (2)
Tanokami und die deutsche Bundeswehr

An einem kalten wintertag besuchte Claudi Georg zu hause. Sie saßen bei einem roibos tee mit bountygeschmack vor einem fenster, das bis zum boden runterging. Von draußen schickte die sonne ihr winterliches licht in den raum, während beide schlürfend den tee zu sich nahmen.
Claudi ließ den blick über die einrichtung, die gegenstände und die unordnung schweifen, als sie am bücherregal hängen blieb. Da stand ein steinerner penis, der ihr entweder vorher nicht aufgefallen war oder neu dortstand.

Sie fragte gleich "warum steht da ein steinerner penis?"
Georg lachte. Er wusste es besser, stand auf und ging zum penis.

"Dies, teure mlle. Claudette, ist kein einfacher penis, es ist ein tanokami*"

Er drehte den penis und auf der rückseite ist ein bauer mit einem mantel + hut zu sehen. In der einen hand hält er einen löffel, in der anderen eine reichlich gefüllte reisschale. Der große, flache hut sieht von der rückseite aus wie eine eichel und der mantel hängt glatt herunter, sodass er dem schaft eines penis ähnlich sieht.

Claudi tat beeindruckt und fragte im ton eines interessierten menschen:
"Wofür ist der gut?"

"Es ist ein glücksbringer, ein symbol für fruchtbarkeit, das an japanischen reisfeldern aufgestellt wird.
Tanokami* ist teil des ländlichen shinto*-glaubens. Wenn ich mal nen acker bestelle, wird er mir gute dienste erweisen. Bis dahin ist er mehr oder weniger ein nutzloses gimmick", klärte Georg sie auf.

"Meine eltern waren auch bauern", setzte Claudi an, "immer dieser aberglaube über wetter, ernte und jetzt kommst du auch noch mit diesem reispenis, ich mag diesen unsinn einfach nicht ernstnehmen und finde es sogar albern, wenn ein typ nen stein-, oder reispenisdingens rumstehen hat."

Georg ging auf dieses gerede nicht ein. Die intoleranz gegenüber neugier auf andere kulturen schlug ihm aufs gemüt. Beide nippten am tee und schauten nach draußen auf die wiese, die träge dalag wie ein schneebedeckter grüner teppich.

Claudi dachte währenddessen darüber nach, wieviel diese figur wohl gekostet haben mochte und wie unendlich sinnlos und albern sie ist. Die schüttelte den kopf und machte ungläubige zischlaute, die auch empörung ausdrücken sollten. "tss"
Georg schnaubte innerlich und hätte ihr am liebsten mit tanokami das maul gestopft.

Ein tiefpunkt.

Dann nahm sich Georg der situation an und berichtete Claudi, dass die deutsche
bundeswehr ihm einen einberufungsbescheid geschickt hätte.
Claudi war fassungslos: "Weißt du, wie blöd das ist? Du verschwendest da nur zeit!"
Georg: "ja, du hast recht, ich schlaf beim gedanken an dienst schon ein.
Das schreiben las sich auch sehr ermüdent."
Claudi fand die ermüdenden aspekte der bundeswehr unwichtig und lud das thema mit ein paar emotionaleren ansichten auf:
"ja man, fick die scheiß bundeswehr, diese kriegsbefürwortenden drecksfaschisten
sollten aufgelöst und in eine kriegsbefürwortende drecksfaschistische berufsarmee
umgewandelt werden. Dieses hirnlosen scheißhaufen sind schon alleine wegen ihrer öden existens innerhalb der kasernen FÜR kriegsnahe einsätze, ohne auch nur einen furz von ahnung von der kultur in den krisengebieten zu haben." Claudi holte luft, "Das sind keine hilfeinsätze, das ist stumpfes rumheizen in panzerfahrzeugen. Wilde abenteuer auf kosten der bevölkerung."

Georg beschwichtigte seine freundin: "Ich muss da in 2 monaten hin. Ich werd einfach versuchen durch drogenexzesse rausgeworfen zu werden."

"Hmm, du subversiver kleiner punk willst die bundeswehr also von innen heraus
schwächen, was?", stichelte Claudi rum, die sich in rage geredet hat.

Georg lachte: "ich werd einfach wahnsinnig dolle kiffen und einen riesenvorrat an
gleichgültigkeit anhäufen. Daran werden sich meine vorgesetzten die zähne
ausbeißen."

Die gute laune war wiederhergestellt. Aber die beiden wussten, dass der wehrdienst
ihren kampf gegen die bösartigen vampirhorden weit zurückwerfen wird. Was beide aber einsahen: Georg würde bei der bundeswehr eine gratisausbildung an 3 verschiedenen waffen erhalten - auch prima, um es mit vampiren aufzunehmen.

Die 9 monate bundeswehr:
Georg wurde 3x gefragt, warum er dort wäre und ob er überhaupt lust hätte. Er antwortete jedes mal entweder "weiß nich", oder "nö". Er spielte ein paar streiche, die er selbst sogar langweilig fand und die genaugenommen nur sachbeschädigung darstellten.
Er versagte zum eigenen bedauern beim drogentest im sanitätsbereich, denn der stabsarzt war nachsichtig. Die zeit verging und noch vor dienstzeitende hatte Georg das meiste vergessen oder verdrängt, während seine kameraden in der abkürzungssprache aufgingen und voll drauf abfuhren zu schießen.
Die motivation für seine berufliche laufbahn litt, nachdem er erkennen musste, wofür
menschen bezahlt werden. Wenn man sich alles anhört, gehorcht und gehorsamst alle Befehle befolgt, während man artig und schneidig ist, dann gibts kohle. Geil. Zu geil für tausende deppen, erkannte Georg.

* Georg sprach "shinto" und "tanokami" in kulturwichtigtuerischer weise in org.jap.betonung aus und verzog dabei das gesicht zur einer fratze.